• Opel-Optik: Klarheit statt Spielereien

    -cgsegt-jpgMenschen lassen sich gerne vom ersten Eindruck leiten, und das gilt auch für die Form eines Automobils. „Wir wissen, dass Design der wichtigste Grund bei der Kaufentscheidung ist, noch vor dem Preis und den technischen Daten, und deshalb müssen wir Automobile entwerfen, die sich vom Rest der Masse abheben und gleichzeitig einen unverwechselbaren Auftritt erreichen. Wir haben den Ehrgeiz, ikonische Modelle zu entwerfen, um auch in der Zukunft erfolgreich zu sein“, beschreibt Gilles Vidal, seit einem halben Jahr beim Vielmarken-Konzern Stellantis als Head of Design für die Formgebung der verschiedenen Modelle zuständig, die Ziele der Kreativabteilungen der Konzernmarken.

    Dabei stehen Vidal und die Teams der einzelnen Hersteller vor der Herausforderung, „die Formensprache dem Charakter der jeweiligen Marke anzupassen“. Für Opel, die deutsche Marke im Stellantis-Konzern, bedeutet dieser Anspruch, dass die Kreativen in Rüsselsheim die typisch deutschen Tugenden wie „Präzision und Qualität“ in ihr Design integrieren. Gleichzeitig stehen die Designer vor der Aufgabe, angesichts der Transformation zur Elektromobilität die potenziellen Kunden nicht mit extravagantem Design zu überfordern. Deshalb übernehmen bei Stellantis die E-Modelle auch dank der Multi-Energie-Strategie ganz bewusst die Formen der Verbrenner-Fahrzeuge.

    „Unsere Kunden sagen uns deutlich, dass sie einfach nur ein gut aussehendes Modell verlangen. Und wenn es elektrisch angetrieben wird, umso besser“, erklärt Opel-Chefdesigner Mark Adams. „Niemand will ein Modell kaufen, das mit seinem futuristischen Design völlig aus dem Rahmen fällt, nur weil es elektrisch angetrieben wird.“ So bleiben gleichzeitig auch die Investitionen in die neue Antriebstechnik im Rahmen, zumal die Elektromobilität in Europa längst nicht überall gleich akzeptiert wird. „Wir haben einen riesigen Unterscheid zwischen den nord- und südeuropäischen Märkten“, erklärt Adams.

    Das kann sich aber in den kommenden Jahren ändern, wenn neue Technologien wie die Feststoffbatterie ins Spiel kommen und die Elektromobilität sich überall durchgesetzt haben wird. Adams: „Wir können die tollsten Formen schaffen, aber wenn die Technologie nicht mitspielt, kann es nicht funktionieren.“

    Aktuell steht das Opel-Design unter der von Adams entwickelten Philosophie eines klaren und nüchternen Designs, das unter der Überschrift „Purity“ (Klarheit) bei den verschiedenen Modellen interpretiert wird. Diese reduzierte Formensprache zeigt sich aktuell bei dem frisch überarbeiteten Astra, mit seiner glatten „Vizor“-Front und dem sachlichen Cockpit. Mit der nächsten Corsa-Generation wird diese Entwicklung noch einen Schritt weiter vorangetrieben.

    Als sich die Transformation zur Elektromobilität ankündigte, versprachen die Kreativen vollkommen neue Innenräume, doch inzwischen erleben die Kunden mehr oder weniger konventionelle Interieurs, die sich vor allem durch mehr oder weniger große Bildschirme von den traditionellen Cockpits unterscheiden. Vidal spricht die Hersteller allerdings davon frei, das Versprechen gebrochen zu haben. „Die aktuellen Sicherheitsvorschriften“, so Vidal, „erlauben keine vollkommen neuen Lösungen. Erst die autonomen Fahrzeuge und neue Techniken wie neue Airbags werden den Durchbruch bei den Interieurs bringen. Erst wenn diese neuen Technologien serienreif sind, werden auch die neuen Innenräume kommen. Die größten Veränderungen kommen also erst noch, und das wird dann auch das Außendesign entscheidend beeinflussen.“
    Bei Opel, verspricht Adams, werden die Fahrzeuge der nächsten Modellgeneration, „innovative Lösungen im Innenraum bieten“.

    Mögen die neuen Cockpits noch auf sich warten lassen, die Zeiten der tristen dunklen Innenräume neigt sich, wenn es nach Vidal geht, dem Ende entgegen. Der Trend dreht sich, und, so Vidal, „kommt die Farbe in die Cockpits zurück.“ (aum)