• Ein Franzose vom Main: Der DS 4 läuft bei Opel vom Band

    Reifen stellenweise abgefahren-dsor-jpgDS heißt die Marke, die einst als Ableger von Citroën im PSA-Konzern entstand. Heute ist der Premiumhersteller eigenständig unter dem Stellantis-Dach unterwegs und nutzt doch die Ressourcen der Schwesterunternehmen, wenn diese zur Verfügung stehen. Deshalb lassen die Franzosen, die seit der Übernahme bei Opel das Sagen haben, ihr Modell DS 4 in Rüsselsheim bauen. Das ergibt Sinn, denn das einstige Opel-Flaggschiff Insignia wird in naher Zukunft eingestellt, dadurch gibt es freie Produktionskapazitäten. Außerdem teilt sich der Franzose das Chassis mit dem Astra, der ebenfalls aus dem Werk am Main kommt.

    Als Vorbereitung auf den Franzosen und die neue Aufgabe wurden 400 zusätzliche Roboter installiert, insgesamt sind jetzt 1178 der stummen, aber emsigen Kollegen im Karosseriewerk bei der Arbeit. Der Fertigungsbereich „Hochzeit“, wo Motor und Karosserie zusammenfinden, wurde beim Umbau komplett neu installiert. Außerdem haben die Produktionsstrategen den Fuhrpark der fahrerlosen Transportfahrzeuge erweitert, 213 sind es insgesamt, die das Material ohne zu murren herbeischaffen.

    Auch in der Lackiererei hat sich die Roboterriege vergrößert. 30 neue unterstützen unter anderem bei einem verbesserten Trocknungsprozess, der den gleichen Schutz vor Korrosion und Steinschlag bietet wie der bisherige, aber zu deutlich weniger Emissionen führt. Der jährliche CO2-Ausstoß reduziert sich um 2200 Tonnen, der Wasserverbrauch sinkt um 1800 Kubikmeter. Außerdem werden rund 1250 Megawattstunden an Strom und etwa 11.100 Megawattstunden Erdgas im Jahr eingespart.

    Auf dem deutschen Markt wurde der DS 4 im Januar dieses Jahres als Premiummodell im C-Segment eingeführt. Er ist 4,40 Meter lang und steht auf der modularen EMP2-Plattform des Konzerns. DS bietet das Modell mit Benzinmotoren in drei Leistungsstufen von 96 kW (130 PS) über 133 kW (180 PS) bis 165 kW (225 PS) an. Außerdem sind zwei Hybridversionen im Programm.

    Es ist wohl eine Premiere, dass eine französische Automobil-Baureihe im Hochlohnland Deutschland vom Band fährt. Nur Fiat hatte einst aus der Kooperation mit NSU heraus in Heilbronn eine Fahrzeugfertigung betrieben, woher dann auch der ungewöhnliche Name „Jagst“ stammt (nach dem Fluss), später wurde er in „Neckar“ umbenannt (auch ein Fluss). Aber auch Opel und Citroën hatten in den 1920er-Jahren gewisse Gemeinsamkeiten. Der erfolgreiche Opel 4/12, der wegen seiner grünen Lackierung volkstümlich nur „Laubfrosch“ genannt wurde, war nichts anderes als ein Plagiat des Citroën 5CV. Mit einer Klage gegen den geistigen Diebstahl scheiterte Citroen vor den deutschen Gerichten, die befanden, dass der Kühlergrill des Opel sich deutlich von dem des französischen Modells unterscheide. Außerdem lackierte Citroen den 5CV standardmäßig zitronengelb.
    (Michael Kirchberger/cen)